Ratgeber · Zutaten

Die vietnamesische Nudelkunde

Fünf Nudelsorten, fünf ganz unterschiedliche Gerichte — mit einem Blick auf den Aufbau der Bún-Bowl.

Lesezeit ca. 5 Minuten · Thema: Zutaten verstehen

Auf einer vietnamesischen Karte steht selten „Nudeln“. Es steht dort Bún, Phở, Mì, Miến oder Hủ tiếu — und damit ist jedes Mal etwas anderes gemeint.

Die fünf wichtigsten Sorten

NameMaterialFormTypisch in
BúnReismehlrunde, dünne Nudeln, spaghettiartigBún-Bowls, Bún chả, Bún bò Huế
PhởReismehlflache, breite BänderPhở-Suppe, Phở trộn, Phở xào (gebraten)
Weizenmehl, meist mit Eigelbliche, elastische NudelnMì xào (gebratene Nudeln), Mì-Suppen
MiếnMungbohnen- oder ManiokstärkeGlasnudeln, nach dem Garen durchscheinendMiến gà, Füllung für frittierte Rollen
Hủ tiếuReismehl (teils mit Tapioka)schmal, fester Bisssüdvietnamesische Suppen und Trockenschalen

Praktischer Nebeneffekt für Gäste mit Zöliakie oder Weizenunverträglichkeit: Bún, Phở, Miến und Hủ tiếu sind glutenfrei. Achtung nur bei den Saucen — Sojasauce und Austernsauce enthalten in der Regel Weizen. Fragen Sie in diesem Fall bitte direkt nach, wir sagen Ihnen, welches Gericht sich anpassen lässt.

Warum die Bún-Bowl kalt und warm zugleich ist

Eine Bún-Bowl — in Vietnam bún trộn oder je nach Belag bún thịt nướng — ist keine Suppe, sondern eine Schüssel in Schichten:

  1. Unten: abgekühlte, abgetropfte Reisnudeln.
  2. Darauf: roher Salat, Gurke, Möhre, Sojasprossen, dazu reichlich Kräuter.
  3. Obenauf: etwas Warmes — gegrilltes Fleisch, gebratener Tofu, frittierte Rollen.
  4. Zum Schluss: geröstete Erdnüsse, Röstzwiebeln und die Sauce nước chấm, die man selbst darübergießt und alles einmal durchmischt.

Der Reiz liegt im Temperatur- und Texturkontrast: kühle Nudeln, knackiges Gemüse, warmes Fleisch, knusprige Erdnüsse, dazu eine Sauce, die salzig, sauer, süß und leicht scharf zugleich ist. Deshalb ist eine Bún-Bowl im Sommer angenehmer als eine Suppe — und trotzdem eine vollwertige Mahlzeit.

Nước chấm: die Sauce, die alles zusammenhält

Die Grundformel ist in fast jedem Haushalt gleich und wird nur in den Verhältnissen variiert: Fischsauce, Limettensaft, Zucker, Wasser, dazu fein gehackter Knoblauch und Chili. Sie ist bewusst dünnflüssig — sie soll die Nudeln benetzen, nicht überdecken. Für vegetarische Gäste lässt sich die Fischsauce durch eine Sojabasis ersetzen; der Charakter bleibt ähnlich, wird aber etwas milder.

Gebratene Nudeln: Mì xào und Phở xào

Nicht jede Nudel landet in Brühe. Mì xào sind Weizen-Eiernudeln, die im Wok scharf angebraten werden, bis sie an den Rändern leicht knusprig sind. Bei Phở xào passiert das Gleiche mit breiten Reisbändern — heikler, weil sie schneller brechen und kleben. Beide Gerichte brauchen wenig Sauce und viel Hitze.

Menge und Gartechnik

Als Faustregel rechnet man pro Person mit 70 bis 90 Gramm getrockneten Reisnudeln — sie legen beim Garen etwa auf das Zweieinhalbfache zu. Für eine Suppe darf es etwas weniger sein, weil die Brühe sättigt; für eine Bowl etwas mehr, weil die Nudeln dort die Basis bilden.

Drei Fehler passieren besonders oft:

Kleine Einkaufshilfe

Im Asia-Supermarkt steht auf getrockneten Reisnudeln oft nur eine Millimeterangabe: 1–2 mm entspricht Bún, 3–5 mm ist die klassische Phở-Breite. Getrocknete Reisnudeln vor dem Kochen 20–30 Minuten in kaltem Wasser einweichen — dann brauchen sie im heißen Wasser nur noch Sekunden und werden nicht matschig.

Welche Nudel in welchem unserer Gerichte steckt, sehen Sie in der Speisekarte. Wie die passende Brühe entsteht, lesen Sie in „Was ist Phở?“.